Wo steht das Produktmanagement im Jahr 2026?

Zwischen Strategie-Anspruch, KI-Hype und operativer Realität

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich freue mich, dass ich in dieser Ausgabe unseres Newsletters die brandneuen Ergebnisse der großen CAVISIO® Onlineumfrage präsentieren darf. Im vergangenen Winter haben 244 Fach- und Führungskräfte aus der PM-Community teilgenommen und uns tiefe Einblicke gewährt, wo das Produktmanagement im DACH-Raum im Jahr 2026 wirklich steht.

Neben den Dauerbrennern wie strategischem Anspruch vs. operativer Realität haben wir in diesem Jahr zwei brandaktuelle Themenfelder beleuchtet: Future Skills und die Nutzung Künstlicher Intelligenz im PM-Alltag.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen und freue mich auf eine anregende Diskussion in den Kommentaren!

Viele Grüße

Jürgen Bühler

Personalberater für Produktmanagement bei CAVISIO®


Demographische Angaben zur Stichprobe

Die Ergebnisse liefern ein starkes Stimmungsbild, insbesondere für das B2B-Umfeld, aus dem 85 % der Befragten stammen. Die Verteilung auf Fach- und Führungskräfte war ausgewogen: Rund 45 % arbeiten in einer Führungsfunktion (VP, Director, Team Lead), 55 % als klassische Product Manager. Knapp die Hälfte der Befragten ist im klassischen Mittelstand (101-1.500 Mitarbeitende) tätig, 40 % in Großunternehmen.

Setup und Organisation: Der ewige Kampf „Strategie vs. Edelmülltonne“

In der Theorie ist sich das Top-Management einig: In gut der Hälfte der Unternehmen (50,4 %) ist eine strategische Ausrichtung des Produktmanagements explizit gewünscht.

Der Realitäts-Check zeigt jedoch ein anderes Bild: Bei knapp 55 % der Befragten überwiegen im Arbeitsalltag deutlich die operativen Tätigkeiten wie Supportanfragen, ERP-Pflege oder Vertriebsinnendienst. Ein befragter PM nannte es treffend das Dasein als „operative Edelmülltonne“. Dennoch gibt es einen Lichtblick: Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei katastrophalen 64,5 %. Es ist also ein positiver Trend in Richtung Strategie erkennbar.

Die größten Hindernisse für strategisches Arbeiten sind nach wie vor fehlende Ressourcen und eine unklare Abgrenzung der Verantwortlichkeiten (31,1 %).

Der blinde Fleck: Distanz zum Kunden

Eine der erschreckendsten Zahlen der Umfrage betrifft die Kundennähe. Für eine Rolle, die eigentlich den Markt verstehen und Kundenbedürfnisse in Produkte übersetzen muss, ist es alarmierend: Fast 72 % der PMs verbringen keinen oder nur einen sehr geringen Anteil (<10 %) ihrer Arbeitszeit beim Kunden. Diese Zahl sorgte auch bei der exklusiven Präsentation der Umfrageergebnisse auf der Produktmanager Jahrestagung von MSC Management Seminar Center GmbH für Stirnrunzeln bei zahlreichen Teilnehmenden.

Future Skills: Was in den nächsten 3 Jahren erfolgskritisch wird

Wir haben gefragt: Welche Fähigkeiten werden in Zukunft wichtiger? Die PM-Community sieht eine wichtige Herausforderung in der Entwicklung hin zum „bilingualen Dolmetscher“ zwischen Technik / Markt und Business. Das erfordert sehr gutes Produkt / Applikationsverständnis, Logik, aber auch rhetorische Fähigkeiten wie bspw. im Storytelling. Die Top 3 der Nennungen bei den Future Skills waren:

  1. IT- & Technologie-Verständnis (KI, Data, Cloud): Mit knapp 70 % der Nennungen der absolute Spitzenreiter.
  2. Datengetriebenes Produktmanagement: 59 % sehen die Notwendigkeit, Daten nicht nur zu sammeln, sondern kritisch auszuwerten und für strategische Entscheidungen zu nutzen.
  3. Storytelling und Kommunikation: 57 % betonen, dass komplexe Technologie intern wie extern wirkungsvoll übersetzt werden muss.

Besonders in den offenen Antworten zeigte sich: Die befragten Produktmenschen wollen tiefgreifende KI-Skills aufbauen (z. B. Agentic AI, Prompting), um die Technologie strategisch in den Produktlebenszyklus zu integrieren.

KI-Nutzung im Produktmanagement: Der operative Befreier

Künstliche Intelligenz ist kein Hype mehr, sondern fester Bestandteil im PM-Werkzeugkasten. Rund 75 % der PMs nutzen KI bereits (davon 27,4 % regelmäßig, 15 % täglich).

Dabei wird KI primär als Effizienz-Motor eingesetzt:

  • Platz 1: Kommunikation (E-Mails, Meeting-Notes).
  • Platz 2: Markt- und Wettbewerbsanalysen.
  • Platz 3: Ideen- und Feature-Generierung.

Die Chancen sind enorm (Zeitersparnis, strategischer Freiraum), doch die Community sieht auch klare Risiken: „Brain-off“ (der Verlust des eigenen Denkens) und die unkritische Übernahme von KI-Halluzinationen werden als größte Gefahren genannt.

Ein massives Problem offenbart sich bei der KI-Governance: In nur knapp 2/3 der Unternehmen gibt es klare Regeln für den KI-Einsatz; folgerichtig verfügt fast jedes dritte Unternehmen noch über keine Guideline für die KI-Nutzung. Viele PMs agieren folglich in einer riskanten Grauzone.

Jobzufriedenheit und Stellhebel für das Management

Das Faszinierende am PM-Beruf: Trotz operativer Überlastung und mangelndem Kundenkontakt lieben Produktmanager ihren Job! 40 % sind mit ihrer Rolle sehr zufrieden (im Vorjahr waren es nur 29 %).

Damit diese Zufriedenheit erhalten bleibt und in unternehmerischen Erfolg übersetzt wird, muss das Top-Management laut den Umfrageergebnissen drei zentrale Stellhebel betätigen:

  1. Fokus auf Strategie statt Tagesgeschäft: Befreiung des PMs aus der operativen Mülltonne.
  2. Mehr Ressourcen: Zeit, Personal und Budget, um Discovery und Kundenkontakt überhaupt zu ermöglichen.
  3. Echtes Empowerment: Klare Rollendefinitionen und das Vertrauen, PMs auch final entscheiden zu lassen („Driver Seat“).

Fazit

Das Produktmanagement ist auf einem guten Weg. Die strategische Arbeit nimmt langsam zu und KI erweist sich als mächtiger Hebel, um operative Fleißarbeit zu reduzieren. Wenn das Top-Management nun noch klare Leitplanken einzieht und den PMs die Türen zu den Kunden öffnet, steht einem wirkungsvollen „Produkthaus“ nichts mehr im Weg.

Den vollständigen Bericht mit allen Daten und tiefgehenden Analysen als PDF findet Ihr auf dem CAVISIO-Blog.


Meine aktuellen Mandate im Mai 2026

Interflex Datensysteme GmbH : Leitung Produktmanagement und Marketing, Stuttgart

RRC power solutions GmbH : Produktmanager* Battery Solutions (MedTech & Robotik), Homburg (Saar)

Liebherr Group : Market Segment Manager* Electrification Heavy Duty Machinery, Biberach und Strategischer Product Manager* Diesel Genset, Bulle (CH)

ASYS Group : Technische:r Produktmanager* Hightech-Automaisierung – Nutzentrennen in der Elektronikfertigung, Dornstadt bei Ulm

futurebrains : Product Architect für agile Plattformen, Karlsruhe

AERZEN worldwide : Senior Product Manager* für Druckluftanwendungen in der Industie, Aerzen (Niedersachsen)

FAGUS-GRECON GRETEN GMBH & CO. KG : Produktmanager* für vorbeugenden Brandschutz, Alfeld bei Hannover

Alle Stellen findet Ihr im Stellnmarkt meiner Webseite www.cavisio.de/stellenmarkt beschrieben. Fragen zu diesen exklusiven Beauftragungen beatnworte ich gerne telefonisch, per E-Mail oder GoogleMeet.


Kundenstimme:

Jürgen und ich kennen uns schon länger. Ich verfolge mit großem Interesse seinen Blick auf das Produktmanagement, speziell in der Industrie, der mir immer wieder neue Impulse für meine Karriere gibt. Deshalb war für mich klar dass für mein Mentoring im Bereich des Produktmanagements nur Jürgen infrage kommt. Gemeinsam haben wir mein Profil auf ein neues Level gehoben, meine Position geschärft und meine Entwicklungsrichtung festgelegt. Seine Feedbacks sind persönlich, konkret, konstruktiv und zielführend. Von dem Ergebnis, das wir beide erarbeitet haben, bin ich schwer begeistert. Jeder der wissen möchte, wie eine professionelle Personalabteilung auf den eigenen Lebenslauf oder das Profil schaut und dieses optimieren will, ist bei Jürgen perfekt aufgehoben.

Danke Dr. Karl Doreth für dieses tolle Referenzschreiben.


Zwei Tage Heidelberg. Rund 100 Produktmanagerinnen und Produktmanager. 16 Fachvorträge. Und unzählige Gespräche mit Menschen, die mit Leidenschaft Produkte gestalten.

Die Produktmanagement-Jahrestagung von MSC Management Seminar Center GmbH rund um Peter Kairies war auch in diesem Jahr ein echtes Highlight.Vertreter namhafter Unternehmen wie ABB, SEW-EURODRIVE, TRUMPF, HOMAG, HARTING Technologiegruppe, Wacker Neuson oder JUMO zeigten, wie modernes Produktmanagement in der industriellen Praxis funktioniert.

Auch ich durfte mit meinem Vortrag „Alles in Butter im Produktmanagement?“ Einblicke aus der aktuellen CAVISIO-Studie mit 244 Produktmanagement-Profis aus dem DACH-Raum vorstellen.

Was ist bei mir besonders hängen geblieben?

🤖 KI ist Chance und Risiko zugleich. Ein Produktmanager berichtete, wie er mit KI innerhalb weniger Minuten aus Kundeninterviews Personas, Value Propositions und erste Business Cases erstellt. Früher war das ein halber Tag Arbeit. Gleichzeitig stand die berechtigte Frage im Raum: Was passiert, wenn alle mit denselben Tools dieselben Ideen erzeugen? Dann gewinnt nicht die beste KI, sondern der klügste Kopf.

🎯 Erfolgreiches Produktmanagement beginnt beim Markt. Weinmann Holzbau zeigte, wie wichtig eine saubere Marktsegmentierung ist. Fraunhofer demonstrierte, wie Use Cases datenbasiert getestet werden können. Und ABB machte deutlich, wie digitale Services die Nähe zum Kunden im After Sales stärken. Gleichzeitig erinnerte Wacker Neuson daran, dass manchmal auch eine mutige „HIPPO“-Entscheidung den Durchbruch bringt. Strategie ist wichtig. Unternehmertum zählt im PM ebenso.

🧹 Weniger Produkte können profitabler sein. JUMO stellte vor, wie Product Mining hilft, das Portfolio zu entschlacken. Ein Teilnehmer brachte es treffend auf den Punkt: „Jede Produkt-Materialnummer ist wie ein kleiner Hund: sie kostet jeden Tag Geld, auch wenn sie niemand beachtet.“

🤝 Produktmanager sind besondere Menschen. In den Pausen wurde wieder deutlich, was diese Profession auszeichnet. Offenheit, Neugier, Optimismus und echtes Interesse an Kunden und Märkten. Unterschiedliche Charaktere, aber ein gemeinsamer Nenner: der Wunsch, mit guten Produkten echten Nutzen zu stiften.

Mein Fazit:

Wer Produktmanagement verstehen will, sollte nicht nur Bücher lesen. Er sollte Zeit mit Produktmanagern verbringen. Danke an Peter Kairies und das gesamte MSC-Team für diese exzellente Veranstaltung. Ich komme gerne wieder.


Meine Bio:

Meine Beratungsschwerpunkte als Headhunter sind #Produktmanager und #ProductOwner in den Bereichen Industrieautomation, Maschinenbau, Technologie und Industrie 4.0. Ich bin aber auch in anderen B2B-Branchen tätig und offen für spannende Rollen im ProduktMANAGEMENT.

Als Diplom-Ökonom und Coach bin ich Personalberater aus Leidenschaft und berate nunmehr seit mehr als 20 Jahren Personalentscheider und hochqualifizierte Fachkräfte. Schon während meines Studiums an der Universität Hohenheim gründete ich mit Kommilitonen mein erstes Unternehmen – eine Studentenvermittlung für Informatiker und Ingenieure. Und seit 2019 bin ich 100% auf das Produktmanagement spezialisiert.

Herausgeber: CAVISIO e.K. Boschstraße 10 D-73734 Esslingen a.N.

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