Manchmal liegt der Schleudersitz zwischen zwei Stühlen

Was tun, wenn einen in der Firma keiner mehr haben möchte?

Neulich in der Karriereberatung, da hatte ich ein Erlebnis, über das ich gleich einen Blogbeitrag schreiben musste. Die Geschichte von Peter Bauer (Name geändert) passt perfekt in die Schublade „Shit happens“ und brannte mir unter den Nägeln. Ich bin gespannt, ob es anderen Lesern vielleicht auch wie ihm ergangen ist, denn trotz intensiver Recherche im Web habe ich nichts Vergleichbares gefunden.

Was kann denn dem Kandidaten schon passiert sein, dass ich fast aus den Latschen gekippt bin?

Bauer kam schon vor einigen Monaten zu mir in die Beratung, denn es zog ihn nach einigen Jahren bei seinem Arbeitgeber zu neuen Ufern. Die Personalentwicklung und Firmenkultur behagten ihm nicht. Deshalb wollte er einen Cut machen und für eine neue Firma arbeiten. Vor Kurzem kam der Paukenschlag und für Peter Bauer der Beleg dafür, wie richtig er mit seinem Bauchgefühl gelegen hatte.

Bauer hatte eigentlich eine gute Entwicklung bei seiner Firma hingelegt und auch das Finanzielle stimmte. Vor einigen Jahren war er im Engineering des Industrieunternehmens eingestiegen und hatte früh erkannt, dass er ganz gut im Verkaufen und Verhandeln war. So konnte er nach und nach neben seinen Aufgaben im Engineering immer mehr Vertriebsaufgaben wahrnehmen. Alles war gut und für 2014 wurde ihm der feste Wechsel in den Vertriebsbereich versprochen. Sein Chef im Engineering plante ihn deshalb auch nicht mehr als festen Mitarbeiter in seinem Bereich ein und besetzte die Stelle nach.

Wenn Sie im Job zwischen zwei Stühlen sitzen

Schöne Bescherung an Weihnachten? Wie man’s nimmt.

Kurz vor Weihnachten bat ihn der Vertriebsleiter, sein Chef in spe, zum Gespräch. Er eröffnete dem verdutzten Bauer, dass einige Aufträge weggebrochen seien und er ihn im Sales nun doch nicht bräuchte. Aus Sicht des Vertriebsleiters war das eine total logische Entscheidung. Schließlich hatte er Bauer noch nicht auf seiner Payroll und wenn es gerade nicht so gut läuft, bindet sich keine Führungskraft einen neuen Mitarbeiter ans Bein. Im Engineering, wo Bauer offiziell noch unter Vertrag war, wollte ihn aber auch niemand mehr haben. Auch dem Engineering-Chef kann man eigentlich sachlich keinen Vorwurf machen. Er hatte die Stelle ja bereits gutgläubig nachbesetzt und Peter Bauer hatte ihm ja offen signalisiert, dass er seine Zukunft gerade nicht im Engineering sieht. Kann man es der Führungskraft verdenken?

Für Bauer ist die Situation natürlich sch… – pardon misslich. Er fühlt sich wie in einem schlechten Film und sitzt auf dem Schleudersitz – zwischen zwei Stühlen. Klar kann er auf seinen Arbeitsvertrag pochen. Da steht drin, dass er einen festen Arbeitsplatz im Engineering hat. Aber wer will schon eine Arbeit ausüben, wenn er weiß, dass er im Team eigentlich unerwünscht ist?

Was lernen wir daraus? Erstens: Karriere ist planbar, aber läuft nicht auf der Einbahnstraße. Zweitens sollte sich jeder Arbeitnehmer bei Laufbahnwechsel oder Beförderung die Zusagen und die neue Einordnung in die Organisation schriftlich als Vertragszusatz zum Arbeitsvertrag festzuschreiben. Am besten schreibt man die finanziellen Anreden und Zielvereinbarungen gleich dazu und bittet um die Ablage in der Personalakte. Der bekannte Karriereberater Martin Wehrle schrieb erst kürzlich in seinem neuen Buch: „Auf mündliche Zusagen ihres Chefs können Mitarbeiter bauen. Luftschlösser zum Beispiel.“ Peter würde ihm sicher recht geben.

Peter Bauer kann sich damit trösten, dass er die Firma ohnehin verlassen wollte. Er schaut nach vorn und sucht eine Stelle, die ihn wirklich weiter bringt. Auf den Zeitdruck, dem er jetzt ausgesetzt ist, hätte er aber gut verzichten können. Denn passende Stellen lassen sich nicht einfach vom Baum schütteln.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben