Warum der VDI für Produktmanager ein echter Geheimtipp ist

VDI Verband für Produktmanager

Von Schraubverbindungen zu KI: Warum der VDI für Produktmanager ein echter Geheimtipp ist

Wenn Du Produktmanager fragst, was ihnen beim Stichwort VDI (Verein Deutscher Ingenieure) als Erstes einfällt, dann landen viele gedanklich vermutlich bei technischen Richtlinien, Normen und Ingenieurwesen. Vielleicht sogar bei der Berechnung von Schraubverbindungen.

Dass sich hinter dem VDI aber auch eine spannende Plattform für modernes Produktmanagement, Methodenkompetenz und fachlichen Austausch verbirgt, wissen überraschend wenige.

Genau darüber habe ich mich in einer aktuellen Folge der Produktmanagement Talks mit Jan Marenbach unterhalten. Jan arbeitet seit rund zehn Jahren als Produktmanager bei Weidmüller und engagiert sich ehrenamtlich im VDI-Fachausschuss Produktmanagement. Unser Gespräch hat gezeigt, warum der VDI heute viel mehr ist als ein Regelwerk für Ingenieure – nämlich eine Brücke zwischen Technologie, Markt und Kunden.

Was erfolgreiche Produktmanager gemeinsam haben

Zu Beginn unseres Gesprächs wollte ich von Jan wissen, welche Fähigkeiten aus seiner Sicht den Unterschied machen.

„Was sind die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren, damit Produktmanager im Unternehmen wirklich etwas bewegen können?“

Seine Antwort kam ohne Zögern:

„Ich glaube unheimlich wichtig ist erstens das Stakeholder-Management […] vor allen Dingen oft unterschätzt auch innerhalb des Unternehmens. Dann natürlich ein starkes Kundenverständnis […] und die Fähigkeit, Kundenbedürfnisse in Produkte zu übersetzen. Und dann ist glaube ich wirklich wichtig: Priorisierung und Fokussierung, dass man sich eben nicht verzettelt.“

Wer schon ein paar Jahre im Produktmanagement unterwegs ist, wird vermutlich zustimmend nicken.

Denn Produktmanagement findet selten im stillen Kämmerlein statt. Wir bewegen uns permanent im Spannungsfeld zwischen Kunden, Vertrieb, Entwicklung, Geschäftsführung und Markt. Genau deshalb braucht es heute weit mehr als technisches Fachwissen. Erfolgreiche Produktmanager verbinden wirtschaftliches Denken, Kommunikation, Marktverständnis und Führung ohne formale Macht.

VDI 4520: Der Methodenkoffer für den PM-Alltag

Als Jan im Gespräch die VDI-Richtlinie 4520 erwähnte, musste ich zunächst schmunzeln.

„VDI 4520 klingt eher nach einer Norm für einen Ladestecker als nach Produktmanagement.“

Tatsächlich steckt dahinter aber ein strukturierter Methodenleitfaden für Produktmanager. Die Richtlinie ordnet Methoden entlang des gesamten Produktlebenszyklus – von der Marktbeobachtung über die Produktentstehung bis hin zur Marktphase.

Besonders spannend fand ich, wie Jan die praktische Nutzung beschreibt:

„Ich nutze die wirklich auch als täglichen Begleiter […] Wenn ich jetzt beispielsweise im Produktentwicklungsprozess unterwegs bin, dass ich einfach nochmal nachschauen kann: Welche Methode könnte ich jetzt anwenden? […] Ich habe dann bei mir auch so eine eigene Toolbox, wo ich mir z. B. Excel-Templates schon selbst gebaut habe, wo ich mir diese Methode rauspicke und für meinen Arbeitsalltag anwenden kann.“

Genau das ist aus meiner Sicht die Stärke guter Methoden. Nicht die Theorie im Bücherregal, sondern die konkrete Anwendung am Montagmorgen, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen.

Produktmanagement lebt vom Austausch

So wichtig Methoden sind: Produktmanagement bleibt ein Mannschaftssport.

Deshalb bietet der VDI-Fachbereich Technischer Vertrieb und Produktmanagement mit den sogenannten Produktmanagement-Dialogen ein Format, das mir persönlich sehr gut gefällt.

Alle zwei bis drei Monate treffen sich dort Produktmanager zum fachlichen Austausch. Mal online, mal in Präsenz, häufig ergänzt durch Unternehmensbesuche oder Praxisberichte. Besonders erfreulich: Die Veranstaltungen stehen auch Nicht-Mitgliedern offen.

Jan beschreibt die Idee dahinter so:

„Wir starten mit einem Impulsvortrag […] wollen dann aber ganz gezielt wirklich in Dialog kommen mit der Community. […] Wir Produktmanager, wir leben davon, dass wir Netzwerke aufbauen und […] auch mal über den Tellerrand schauen und mal schauen, wie machen es andere vielleicht?“

Genau dieser Blick über den eigenen Unternehmenszaun ist oft Gold wert.

Im Gespräch kam deshalb auch das Stichwort Open Innovation auf. Was passiert eigentlich, wenn Wettbewerber mit am Tisch sitzen?

Jan sieht das erfreulich pragmatisch:

„Natürlich gibt es Themen, über die man nicht spricht […] aber gerade wenn man sich austauscht über die allgemeine Arbeit des Produktmanagements […] finde ich es unheimlich hilfreich, auch mit Fachkollegen zu sprechen.“

Und ich glaube, da hat er recht. Die wenigsten Produktmanager scheitern an fehlenden Geheimnissen. Häufiger fehlt der Austausch über Methoden, Erfahrungen und Lösungswege.

KI wird das Produktmanagement verändern

Zum Ende unseres Gesprächs durfte natürlich auch das Thema Künstliche Intelligenz nicht fehlen.

Auf meine Frage nach dem wichtigsten Zukunftsthema für die nächsten Jahre kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen.

„Viele nutzen es beispielsweise für Wettbewerbsanalysen. Manche nutzen es aber auch schon wirklich gezielt für eine Portfolioanalyse, dass die KI einem schon empfiehlt, welche Produkte vielleicht nicht mehr so wirtschaftlich sind und dann Abkündigungsempfehlungen gibt.“

Spannend finde ich dabei vor allem, dass KI immer stärker in klassische Produktmanagement-Aufgaben hineinwächst. Wettbewerbsanalysen, Marktbeobachtung, Portfolioarbeit oder Business Cases werden sich in den kommenden Jahren deutlich verändern.

Das macht den Austausch mit anderen Produktmanagern umso wertvoller.

Oder wie ich es im Gespräch formuliert habe:

„Man muss es mit Demut und ernsthaft beobachten. Sollte sich aber auch nicht kirre machen lassen. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr spürt man ja, dass man eigentlich noch ein ganz kleines Licht in diesem KI-Universum ist.“

Mein Fazit

Der VDI ist für Produktmanager deutlich spannender, als viele vermuten.

Mit der VDI 4520 steht ein praxisnaher Methodenkoffer zur Verfügung. Gleichzeitig bieten die Produktmanagement-Dialoge eine hervorragende Möglichkeit, das eigene Netzwerk auszubauen, neue Impulse mitzunehmen und sich mit Kollegen auszutauschen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Denn eines habe ich in vielen Jahren Produktmanagement und Personalberatung gelernt:

Die besten Ideen entstehen selten im eigenen Saft. Sie entstehen dort, wo neugierige Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Wer tiefer in die VDI-Arbeit hineinschnuppern möchte, darf sich übrigens gerne direkt mit Jan Marenbach auf LinkedIn vernetzen. Er freut sich über den Austausch.

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