Das Leben ist zu kurz, um im falschen Job zu versauern

Vor ein paar Wochen war in Die ZEIT ein interessantes Special zum Thema Arbeitszufriedenheit zu lesen. Grundtenor war, dass Menschen, die bei ihrer Berufswahl ihrem inneren Gespür und ihrer Berufung folgen insgesamt zufriedener im Job sind als diejenigen, die sich zu sehr von ihrem äußeren Umfeld – Eltern, Lehrern oder Freunden – leiten haben lassen. Wie sagte meine Oma immer? „Jürgen, werd doch mal Lehrer. Das ist sicher und Du hast viele Ferien.“ Hand aufs Herz, wer kennt sie nicht, die sicher gut gemeinten Ratschläge aus dem privaten Umfeld?

arbeitszufriedenheit

Was aber tun, wenn die Zufriedenheit im Job mit der Zeit merklich nachlässt. In der aktuellen Beratungswelt kursieren hier aktuell zwei gegensätzliche Strömungen. Die eine sagt klar, das Leben sei zu kurz, um es im falschen Job zu verbringen. Und mit den Rentenreformen der letzten Jahre muss unsereins heute ja auch deutlich mehr Ausdauer mitbringen. Die andere Strömung, die ich aktuell vermehrt in Karrierepublikationen gefunden habe, vertritt die gegensätzliche Meinung. Wer sagt, dass es im neuen Job besser wird? Schlechte Vorgesetzte – gibt es auch in anderen Firmen. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

Wir bei CAVISIO raten jedem gefrusteten Arbeitnehmer, zunächst die Gründe für die Unzufriedenheit zu reflektieren. Klar gehts im Job nicht immer gerecht zu und wo Menschen arbeiten, da menschelt und kracht es eben auch mal. Wer aber das Gefühl hat, mit Gesprächen und eigenem Handeln nichts bewirken zu können und einen mittelfristigen Trend der steigenden Unzufriedenheit erkennt, der sollte den Arbeitgeberwechsel ins Auge fassen – bevor es zu spät ist. Denn eine Sache gilt in den meisten Fällen: Besonders begehrenswert sind Professionals für neue Arbeitgeber in der Regel dann, wenn sie sich aus ungekündigter Stellung heraus bewerben. Der sichere Job im Rücken stärkt das Selbstbewusstsein und das strahlt auf zukünftige Arbeitgeber aus.

Wir erleben immer wieder Kandidaten mit makellosen Lebensläufen, die einen Tick zu lange mit der beruflichen Neuorientierung gewartet haben und dann scheinbar unerwartet in Zugzwang geraten. Beispiele gefällig?

  • Die Auslandsmanagerin eines großen Elektrokonzerns. Die Auslandsgesellschaft sollte stark restrukturiert werden. Die Stelle fiel weg und in der deutschen Zentrale waren auch keine Headcounts mehr frei. Auflösungsvertrag nach gut 15 Jahren im Konzern und berufliche Neuorientierung in wenigen Monaten.
  • Der Key Account Manager bei einem großen Telekommunikationsunternehmen. Nach zahllosen Restrukturierungen in den vergangenen Jahren wird ihm nach über 20 Jahren nahegelegt, ein Abfindungsangebot anzunehmen. Die vermeintlich lange Übergangsfrist ist durch die starke Spezialisierung und Ansprüche plötzlich gar nicht mehr so lang.
  • Der Vertriebsleiter eines mittelständischen Dienstleistungsunternehmens. Die Firma wurde an ein ausländisches Unternehmen verkauft. Nach gut 2 Jahren startet die Integration und der neue Eigentümer stellt fest, dass der Manager nicht so recht ins Vergütungsraster passt. Die Arbeit wird ungemütlich. Sein Boss wird ruppig. Die Ziele gehen noch weiter nach oben. Der Manager gerät plötzlich unter Zugzwang.

Drei Beispiele, die wir so ähnlich regelmäßig in unserer Beratungspraxis erleben. Gemein ist den drei Fällen, dass die Entwicklung absehbar war. Wer sich dann zu lange an seine Arbeit klammert nach dem Motto: „Ich sitze hier doch sicher im Sattel“, der kann plötzlich unter Zugzwang geraten und braucht dann starke Nerven, um ruhig nach dem am besten passenden Angebot zu suchen. Denn schließlich ist ein Haus abzuzahlen, die Familie zu ernähren oder – Leiden auf ganz hohem Niveau: die Harley oder der Freizeitsportwagen ist zu unterhalten.

Um ein Gefühl zu bekommen, ob man im richtigen Job bzw. beim richtigen Arbeitgeber ist, hilft es, Abstand zu gewinnen. Und da hilft oft ein einfacher Trick. Man frage sich: „Kann ich mir vorstellen, hier in 10 Jahren noch zu arbeiten?“ und „Was kann ich bis in 10 Jahren hier erreichen und was könnte ich an einer anderen Stelle schaffen?“.

Wer hier keine stichhaltigen Gründe für den Verbleib bei seinem Arbeitgeber findet, muss nicht gleich Reissaus nehmen, ist aber gut beraten, die Augen offen zu halten. Das schafft Spielraum für die Suche nach der wirklich passenden neuen Chance. Wer sich einmal zu diesem Schritt entschieden hat, sollte ihn aber auch konsequent gehen und sich nicht nach einigen Monaten wieder gemütlich einrichten, denn es gibt wenig Gründe, warum die Unzufriedenheit plötzlich verfliegen sollte.

Wer selbst unsicher ist, welche Optionen es genau am Arbeitsmarkt gibt oder sich wirklich diskret umsehen möchte, ohne gleich im großen Stil seine Bewerbungsmappe zu streuen, kann sich an Berater wie CAVISIO wenden. Einen guten bewerberorientierten Personalberater erkennen wechselwillige Arbeitnehmer daran, dass er nicht versucht, sie für ein Stellenangebot zu gewinnen, sondern dass er Kandidaten über ihre beruflichen Ziele befragt und dann passende Stellen am Markt für seine Kandidaten recherchiert. Mehr Infos gibts unter www.cavisio.de

Goethe sagte mal, das Leben sei zu kurz, um schlechten Wein zu trinken – ich musste übrigens eben eine Flasche Ripasso wegleeren, weil er korkte. 🙁  Im übertragenen Sinn gilt das auch für schlechte Jobs bei Arbeitgebern, die nicht zu einem passen. Weg damit. Carpe diem – mit einer Arbeit, die zufrieden macht. Und für Schichtarbeiter gilt dann eben Carpe noctem 😉

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