Für Recruiting ist die Personalabteilung zuständig – ist das so?

In meiner Eigenschaft als Personalberater kann ich Einblick in viele Bewerbungsprozesse gewinnen. Teils durch eine Direktbeauftragung der Firma, aber oftmals auch, indem ich – wie ein normaler Bewerber auch – auf eine konkrete Stellenanzeige hin diskret für meinen Bewerber-Kunden bei der Firma anrufe und ein Erstgespräch suche. Meistens wende ich mich zunächst an den Fachbereich – im Branchen-Jargon auch Hiring Manager genannt.

Nicht selten höre ich dann: „Klingt interessant, aber wenden Sie sich an den Personalbereich. Personal ist bei uns fürs Recruiting verantwortlich.“ Der Kunde ist König und so klopfe ich dann immer auch beim Personalbereich an, aber ich frage mich zunehmend, ob diese Aufgabenverteilung noch zeitgemäß ist – oder ob sie es jemals war.

Klar muss jemand den Prozess führen, aber heutzutage ist der Bewerber ein scheues Reh und in manchen Fachgebieten gefühlt eines, das vom Aussterben bedroht ist. Da sollten tunlichst alle Beteiligten an einem Strang ziehen – und zwar top down vom Management, über die „Fachbereichsfürsten“, Teamleader, den Personalbereich bis vor zum Telefonempfang.

Ich habe mir den üblichen Recruitingprozess mal genauer angeschaut und in fünf Grundbereiche zerlegt: Employer Branding, Recruiting, Auswahlverfahren, Onboarding und Mitarbeiterbindung. Und in allen Bereichen kommt dem Fachbereich als spätere Wirkungsstätte des gesuchten Mitarbeiters viel Bedeutung zu. Schauen wir uns das mal etwas genauer an.

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Roboter sind die besseren Recruiter – außer wir interessieren uns endlich für den Menschen hinter der Fachkraft

In der Studie „Global Recruiting Trends“ hat LinkedIn mehrere tausend User und Unternehmen zu den Möglichkeiten und der bisherigen Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Rekrutierung befragt. Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: KI kommt und verändert den Bewerbungsprozess. Da die Algorithmen immer besser werden, dürfte zukünftig vielen Kandidaten ein rund um die Uhr erreichbarer Chatbot mit „Hirn“ lieber sein, als unzählige Voice- und E-Mails an die überlasteten Personalabteilungen zu senden und auf Antwort zu warten. Im Bereich Matching und Diagnose wird sich eine Menge tun. Und nicht Wenige befinden sich bereits im Abgesang des Recruitings.

Wenn in den Unternehmen nicht über den Tellerrand stereotyper Auswahlmethoden geblickt und endlich der Puls der Zeit erkannt wird, wird das auch passieren. Natürlich gibt es Aspekte im Einstellungsprozess, in denen der Mensch der Maschine überlegen ist: Die Unterschrift des Wunschkandidaten erhalten nur Unternehmen, die verstanden haben, dass es darum geht, den Bewerber für sich zu gewinnen. Dies funktioniert nur, wenn alle Teilnehmer des Bewerbungsverfahrens in der Lage sind, diese vier fundamentalen Aufgaben zu erfüllen:

  • Gespräche und Verhandlungen auf Augenhöhe führen
  • Ein überzeugendes Bild von Aufgabe, Umfeld und Perspektiven abliefern
  • Anforderungen des Kandidaten in den Mittelpunkt stellen
  • Gemeinschaft schaffen

Nur mit Empathie und echtem, spürbaren Interesse lassen sich Kandidaten buchstäblich abholen. Weiterlesen